Die Bedeutung der Manschettenknöpfe von 1940 bis heute
Von Andreas Gerads | 20. Juni 2009 | Kategorie: Accessoires | Keine Kommentare »Serie: Manschettenknöpfe
- Entstehungsgeschichte der Manschettenknöpfe
- Die Gestaltung der Manschettenknöpfe im Wandel der Zeit bis 1940
- Die Bedeutung der Manschettenknöpfe von 1940 bis heute
- Anregungen zur persönlichen Auswahl von Manschettenknöpfen
Gastbeitrag von Jens Sierra Lingemann, Teil 3/4:
Bis in die 60er Jahre hinein gewinnt der Manschettenknopf noch massiv an Bedeutung. Die Massenproduktion ist in vollem Gange, vor allem in den USA werden riesige Stückzahlen produziert. Der Produzent Swank inc. aus Massachusetts produziert alleine im Jahr 1960 zwölf Millionen Paar Manschettenknöpfe. So gibt es Manschettenknöpfe als „Give-away“ z.B. mit Firmenlogo; kaum ein amerikanischer Angestellter, könnte zu dieser Zeit leugnen, mindestens ein Paar mit dem Signet seiner Firma zu besitzen.
Mit dem Beginn der Hippiebewegung Mitte der 60er Jahre verliert der Manschettenknopf zunehmend an Bedeutung, da die Eleganz der Funktionalität und der Bequemlichkeit weicht.
Konfektionshemden werden nun mit Sportmanschette gefertigt. Die Umschlagmanschette findet sich am Hemd immer seltener und wird in den Folgejahren nur noch bei festlichen Anlässen und zum Frack verwendet.
Viele hochwertige Manschettenknöpfe werden von Goldschmieden zu Ohrringen umgebaut; der Manschettenknopf verschwindet aus dem alltäglichen Bild.
Übrig geblieben sind jene wenigen Männer, die „artistocrats of the shirt-cuff“ (Bertrand Pizzin: Cuff Links 2002), die im Laufe ihres Lebens eine ausgeprägte Leidenschaft für Manschettenknöpfe entwickelt haben und zum Teil beeindruckende Sammlungen vorweisen können; es soll Männer geben, die an jedem Tag im Jahr ein anderes Paar tragen können, ohne einmal das gleiche Paar zu verwenden.
Gegen Ende des 20.Jh. erlebt der Manschettenknopf langsam ein Revival; wieder sind es jene Männer mit der besonderen Sensibilität für das Feine und Elegante, die erneut beginnen, Manschettenknöpfe im Alltag zu tragen.
Aktuell sind Manschettenknöpfe wieder sehr populär, beliebt sind vor allem silberne Modelle mit Klapp-Knebel zum bequemen Durchstecken, die sich auf die einfachen geometrischen Grundformen konzentrieren. Eine matte Oberfläche wird der polierten meist vorgezogen.
Vereinzelt finden sich auch wieder feinere handgearbeitete Manschettenknöpfe in den Auslagen der Goldschmiede, sowie industriell gefertigt in den Programmen der großen Schmuckhersteller.
Seit der Entstehung des Manschettenknopfes haben viele bekannte Persönlichkeiten Manschettenknöpfe in allen nur erdenklichen Variationen und Größen getragen.
Im späten 19.Jh. galt King Edward VII als „the first gentleman of europe“, im 20.Jh. waren es u.a. der Flieger Charles Lindbergh, Edward VIII – The Duke of Windsore, Marlene Dietrich, der Schauspieler Cary Grant, Sir Winston Churchill, Sir Roger Moore (u.a. als James Bond), Sir “Mick” Jagger, Sir Elton John, Truman Capote und Jack Nicholson.
Diese Menschen gelten als Stilikonen ihrer Zeit und werden auch heute noch gerne interpretiert, wenn es darum geht, sich elegant zu kleiden.
Mechanismen zum Schließen der Manschette
So vielfältig die Gestaltungsmöglichkeiten der Manschettenknöpfe sind, so zahlreich sind die daraus resultierenden Mechanismen.
Unter anderem sind die beiden folgenden Möglichkeiten populär:
Vier Knöpfe mit Kette dazwischen
Diese Art ist die älteste Variante eine Manschette zu schließen. Besonders elegant ist dabei der Effekt neben den äußeren Knopflöchern auch die inneren zu schmücken.
Es bedarf jedoch etwas Fingerspitzengefühl beim Anlegen der Manschettenknöpfe.
Der Klapp-Knebel
Sehr beliebt und weit verbreitet ist dieser bequeme Verschluß bereits seit Anfang des 20.Jh.; in den USA erfunden, diente er als erste Alternative zur Kette und begünstigte die industrielle Serienproduktion.
Die Gestaltung beschränkt sich hier im allgemeinen auf die äußere Seite der Manschette.
Im Laufe der Zeit sind Goldschmieden und Designern immer neue und anspruchsvollere Mechanismen eingefallen, die zum Teil auch ein völlig anderes Aussehen der Knöpfe entstehen ließen.
Jens Sierra Lingemann ist Goldschmiedemeister in Berlin. Er fertigt schwerpunktmäßig Manschettenknöpfe in zahlreichen Variationen an. Jedes Objekt wird von Hand einzeln angefertigt. JSL BERLIN +49(0)30 450 95 320, www.jslberlin.com, contact@jslberlin.com
Quellen:
- Cuff Links von Susan Jonas und Marilyn Nissenson von Harry N. Abrams, Inc (1991)
- Cuff Links von Jean-Noel Liaut, Bertrand Pizzin, und Karl Lagerfeld von Assouline (2002)
