Stilmagazin

Ein guter Stil – Was ist das genau? von Uwe M. Ackermann


Uwe M. Ackermann ist Stilberater aus Plochingen bei Stuttgart. Mit rund 25 Jahren Erfahrung im Bereich der Herrenbekleidung berät er heute Menschen in Mode, – Stil,- Image- und Etikettefragen. Für das Stilmagazin verfasste er einen Gastartikel zu Beobachtungen, die er immer wieder macht. Mehr über Herrn Ackermann können Sie unter www.dergutestil.de erfahren.

Ein guter Stil – Was ist das genau? Diese Frage höre ich zu Beginn meiner Beratungen immer wieder aufs Neue, wie auch die weitere Frage “Was für eine Anzug-Marke sollte ich denn tragen?”  Um es gleich vorweg zusagen, die ist nicht wirklich entscheidend.

Doch der Reihe nach. Ein guter Stil hat vorrangig noch gar nicht mal unbedingt etwas mit der Bekleidung zu tun. Der fängt nämlich schon damit an, wie man sich pflegt, die morgendliche Dusche, die saubere Rasur, die Pflege der Haut ( Männerhaut braucht ab Ende 30 mehr Pflege – hier gibt es eine breite Auswahl an passender Herrenkosmetik! ). Selbstverständlich gehört auch ein guter Haarschnitt dazu, der zu ihrem Typ und zu Ihrer Tätigkeit passt. Dann der passende Duft, der nicht zu aufdringlich sein sollte. Wichtig sind auch gepflegte Hände und die Fingernägel. Selbstverständlich werden Sie sagen – meiner Erfahrung nach aber leider nicht immer. 

Dann kommen wir zur Bekleidung. Die teuerste Bekleidung wirkt nicht, ebenso wie die billigste, wenn sie zusammen geschludert getragen wird das heißt nicht nur farblich, sondern auch in Bezug auf die Stoffe nicht passt. Auch für den “Büromenschen” muss in Sommer und Winterqualitäten unterschieden werden. Hier brauchen sie keinen 600g schweren Harristweed, sondern einfach Stoffe mit etwas mehr Volumen. Der Unterschied zwischen einem Winter – und einem Sommerstoff sollte sichtbar sein. Zudem muss sich der Träger in seiner Haut, sprich in seiner Bekleidung wohl fühlen, er muss sich damit identifizieren können. Sein Auftreten muss in sich stimmig sein, der Körper spricht immer, auch wenn man kein Wort sagt. Die Haltung, das komplette Auftreten muss zueinander passen. Sonst wirkt man auch im teuersten Anzug “verloren”. Hier stelle ich immer wieder aufs Neue fest, dass die Armlängen der Sakkos viel zu lang sind. Die Hemdmanschette ist nicht mehr sichtbar. Viele so genannte Verkäufer achten hier überhaupt nicht darauf, aus mangelndem Wissen oder Bequemlichkeit. Oft fehlt es natürlich auch an der Änderungsschneiderei.

Dass die Schuhe, der Gürtel und die Socken zueinander passen müssen versteht sich von selbst. Apropos Gürtel: wenn eine Hose Gürtelschlaufen hat gehört auch ein Gürtel in die selbige, der unterteilt die Körperproportionen. Im eleganten Bereich ist hier der 3cm breite Gürtel mit klassischer Schließe am besten, farblich auf die Schuhe abgestimmt. Die Krawatte sollte am Gürtel enden und diesen nicht verdecken.

Leider ist auch hier immer wieder zu beobachten, dass die Schuhe keineswegs zum restlichen Outfit passen. Meist nur farblich, das reicht nicht. Der negativ Klassiker auch hier immer wieder die ungepflegten abgelaufenen Schuhe. Das ist deshalb schade, weil der ganze Auftritt darunter leidet.

Ein guter Stil zeichnet sich aber auch dadurch aus, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht. Oftmals werden die einfachsten Benimmregeln außer acht gelassen. Das Grüßen, die Türe aufhalten, das höfliche Miteinander, das Ausreden lassen, der Umgang mit dem Handy im Restaurant oder auf der Strasse. Wie oft haben Sie schon gezwungenermaßen die abenteuerlichsten Gespräche mit anhören müssen? Und zuvor ewiges nerviges Klingeln mit irgendwelchen Liedern ertragen müssen? Das muss nicht sein, denn einen guten Stil kann man lernen.

Andreas Gerads ist Gründer und Inhaber von Stilmagazin.com. Er schreibt seit 2008 regelmäßig über Stil, Kleidung und Genuss. Sein erste Inspirationsquelle ist das Buch "Dressing the Man" von Alan Flusser.

3 Kommentare

  1. Ludwig Ebert-Eßer

    9. Februar 2009 um 17:38

    Das was Sie in Ihrem Artikel beschreiben, lieber Herr Ackermann, ist ja mehr eine Art “Stil-Seepferdchen”, als echter Stil (was immer das auch sein mag). Einen größeren Teil Ihrer Beobachtungen kann ich allerdings durchaus teilen. Das Thema “Schuhe/Schuhpflege” ist Alltag und an deutschen Flughäfen in seiner ganzen Grausamkeit zu besichtigen. Ich bin beruflich ein bisschen herumgekommen und kann Ihnen sagen, dass ich beispielsweise in Jordanien und in Brasilien weitaus besser gekleidete Verkäufer beraten durfte, als in Deutschland. Es gibt da einen amerikanischen Blog (leider habe ich keinen Link parat), in dem der Autor überall gut gekleidete Menschen fotografiert und ins Netz stellt. Da kann man sich teilweise eine Menge abschauen. Keiner der dort gezeigten Herren würde allerdings einem genormten Stilempfingen entsprechen, bisweilen regiert die pure Exzentrik. Das ist dann eben der “Stil-Fahrtenschwimmer”

  2. Andreas Gerads

    9. Februar 2009 um 18:00

    Hallo Herr Ebert-Eßer,

    Sie meinen sicher “The Sartorialist”?

    http://thesartorialist.blogspot.com/

    Grüße

    A. Gerads

  3. Ludwig Ebert-Eßer

    9. Februar 2009 um 18:13

    …genau! Danke nochmals für den Hinweis. Wenn man die 40 überschritten hat ist eben nicht mehr alles sofort parat ;-)!

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