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#11
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Hallo zusammen Ist schonmal jemand auf die sehr simple, dennoch naheliegende Erklärung gekommen, dass viele Mitarbeiter im Einzelhandel schlicht und einfach keinen Spaß an ihrer Arbeit haben? Dies scheint mir das Grundproblem zu sein. Denn wer sich für die Materie interessiert und zwar leidenschaftlich, dem merkt man das als Kunde auch an und lässt sich vielleicht sogar mitreißen. Diese Begeisterung existiert aber nur bei den wenigsten. Die Mehrheit der Verkäufer hat weder Produktkenntnisse, noch Interesse an stilistischer Pluralität; d.h. halbwegs gut verkauft werden kann nur das, was einem selbst gefällt, oder was durch interne Schulungen als gut und richtig vermittelt wird. Allerdings spielt es da auch keine Rolle welche Sparte im Einzelhandel man auswählt. Das zweite Problem ist die mangelnde Qualifizierung. Ich bin der letzte, der etwas gegen studentische oder sonstwelche Aushilfen sagen würde. Allerdings kann man von diesen Kräften keine fundierten Kenntnisse erwarten, wenn ihre Perspektive eine ganz andere ist und sie zudem meist nur 1-2 Jahre eine solche Tätigkeit ausüben. Heute ist die Realität jedoch diese, dass auch in renommierten Unternehmen nur zu gern Aushilfen ohne jedwede Qualifikation eingesetzt werden. So kann es schnell passieren, dass nur rund 30-40% Vollzeitmitarbeiter an einem POS (Point of Sale) arbeiten und der Rest eben durch Aushilfen und Teilzeitkräfte gedeckt wird. Dass auf diese Art und Weise keine Beratungskompetenz entstehen kann erschließt sich wohl jedem Kunden. Um konkret auf die Ausgangsfrage zu antworten: Es ginge Deutschland wohl insgesamt besser, wenn jeder sich den Luxus erlauben könnte, eine Tätigkeit auszuüben, die ihm wirklich Spaß macht und für die auch eine gewisse Affinität vorhanden ist. Dann würden wirklich alle besser aussehen. Nämlich durch ein dickes Grinsen im Gesicht... Grüße Camara |
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#12
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Ich finde diesen Marketingsprech faszinierend. Es gibt wirklich Leute, die das ernst nehmen...
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#13
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Ich kann aber auch völlig falsch liegen, die Antwort darauf kann ich erst in 20 Jahren geben ![]() Qualität wird sich aus meiner Sicht auf lange Sicht durchsetzen, dies gilt für Produkte und Dienstleistungen als auch für Beratung. Ich halte dies auch nicht für Marketingsprech sondern für Vertriebssprech ![]() Marketingsprech ist für mich: Goodyear welted = Handmade schlicht und ergreifend falsch und irreführend, findet man aber bei jedem Hersteller der GW herstellt, das ist Marketingsprech wobei ich ugeben muss, die Grenzen zwischem MS und VS sind fliessend.... |
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#14
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bei uns bekommt der VK seine Grundgehalt ( ca.75% ) und wenn er gar nix verkauft, bekommt er seinen Anteil an der Teamprovision, hälftiger Anteil, selbst wenn er 4 Wochen Urlaub hat bekommt er diesen ICH bin auch nicht nur selbstständig oder Unternehmer, ein jeder ist dies, da ein jeder Einnahmen hat und Ausgaben und tunlichst Gewinn machen muss ( der AN für Urlaub, Sparen, oder zum Ausgeben) Wer mehr ausgibt als er einnimmt geht zum Konkursrichter ( Unternehmer) oder in die Privatinsolvenz( AG) Ich sehe echt keine Unterschiede im Prinzip |
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#15
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#16
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#17
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Die eigentliche Frage war ja, ob sich die Deutschen besser kleiden würden, wenn es mehr besser ausgebildete Verkäufer geben würde.
Aus meiner persönlichen Erfahrung würde ich sagen: Nein! Während des Studiums habe ich in einem großen Stuttgarter Kaufhaus, das hauptsächlich auf die oberen Einkommensschichten zielt, als Aushilfe gearbeitet. Die Verkäufer wurden dort ziemlich gut geschult, bzw man bekam die Möglichkeit für entsprechenden Wissenserwerb. Für mich toll, so bekam ich einen ziemlich guten Einblick in diverse Bereiche der Mode/Bekleidungsindustrie. Wie viel man aus diesen Schulungen mitnimmt, liegt natürlich immer an jedem Einzelnen selber. Zurück zu den Kunden: In meiner Abteilung (Herrenschuhe ) waren wir immer bemüht, die Kunden gut und ehrlich zu beraten. Sowohl die Passform wie auch die Qualität und Optik betreffend. Allerdings waren geschätzte 50% meiner Kunden total beratungsresistent. Bei weiteren 40% hatte die Frau/Freundin/LAGin das Sagen und die waren zu 90% ohne Ahnung und Geschmack und zu 100% beratungsresistent. Damit blieben ungefähr 10%, mit denen überhaupt nur eine fundierte Beratung möglich war. Und selbst bei einer sehr zahlungskräftigen Klientel waren nur wenige bereit, für einen Schuh mehr als 150 Euro auszugeben, wenn nicht Gucci oder Prada drauf stand. Und ein guter Herrenschuh ist sowieso nur Lloyd, alles andere ist Verkäuferpropaganda. Ich hab mir zum Teil den Mund fusselig geredet, dass man für knappe 30 Euro mehr schon einen Prime Shoe bekommt, der qualitativ in einer anderen Liga spielt. Oder dass zu einem schmal geschnittenen Anzug möglichst ein schmaler Schuh getragen werden sollte, und nicht ein breiter Klotz mit dicker Profil(-gummi-)sohle. Jemanden die Notwendigkeit einer guten Schuhpflege nahe zu bringen ist auch recht mühsam und frustrierend.Eine Weile durfte ich in der Abteilung Herrenkonfektion verbringen, dort war es genau das gleiche. Wenn viel Geld hingelegt wurde, musste ein Label möglichst groß irgendwo dran hängen. Qualität war total egal. Ansonsten wollte man maximal 300 Euro für einen Anzug hinlegen, das muss reichen. Dass so ein Anzug bei normaler Einzelhandelskalkulation dann nur 100 Taler Einkaufspreis (nicht (!) Herstellungspreis) hat, und damit nicht das Gelbe vom Ei sein kann, wurde dezent verdrängt. Auch die Passform wurde nur rudimentär beachtet. Wenn man nicht interveniert hätte, wäre meistens ein Anzug nach dem Schema: Wenn ich Hose und Jacket zuknöpfen kann, passt er. Und wenn die Hose bis zum Knie hoch falten schlägt. Auch hier zeigte sich in 90% der Fälle eine robuste Kritikresistenz. Die meisten Menschen in Deutschland haben null Qualitätsbewusstsein und damit einhergehend auch null Wissen in diesem Bereich. Von Stilempfinden oder einem Sinn für Ästhetik (umgangsprachlich auch Geschmack genannt) mal ganz zu schweigen. Nach meiner Erfahrung sind gut ausgebildete und motivierte Verkäufer extrem wichtig und notwendig, aber sie tragen nicht zu einem besser gekleideten Deutschland bei. Dazu müsste ihre Dienstleistung auch in Anspruch genommen (und natürlich auch bezahlt) werden. |
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#18
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Hersteller wie H+M, Levi Strauss und viele andere lassen ihre Textilien in Bangladesh nähen, lohnmässig das weltweit billigste Land in Sachen Textilien. Eine Näherin schuftet dort über 70 Stunden in der Woche, und erhält einen Lohn von rund €17. Monatlich! (Quelle: taz) Welcher Kunde versteht denn da noch, warum er z.B. für ein Hemd dieser Hersteller für €60, €70, €80 oder mehr bezahlen muß? Die Qualität ist es nicht, wie ich z.B. mit Seidensticker-Hemden, seit Jahren vietnamesische Ware, allerübelste Erfahrungen machen mußte. Hier stimmt doch längst das Preis-Leistungsverhältnis nicht mehr. Gestern habe ich vom örtlichen Schuhmacher ein Paar Schuhe aus der Reparatur geholt. Da ich mit diesen überaus unzufrieden war (NICHT mit der Qualität der Reparatur!), habe ich ihn mal gefragt, welchen Hersteller er mir denn besonders empfehlen würde. Er konnte mir keinen bestimmten nennen! "Die verwenden eh alle das gleiche Material und verkleben die Mumpe dann zusammen..." Nein, es war Ladengeschäft mit Werkstatt und kein 5-Minuten-Schnellreparaturservice mit Schlüsseldienst, und er macht exzellente Arbeit. Da ein neben mir wohnender Onkel Schuhmachermeister war mit eigener Werkstatt und bis weit ins achte Lebensjahrzehnt arbeitete (ich habe ihm bei den Damenschuhen immer die Reste der eingenieten Stifte der Stöckel ausbohren dürfen , da er selber in den letzten Jahren sehr schlecht sehen konnte und auch keine so ruhige Hand mehr hatte), denke ich, kann ich darüber urteilen.
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#19
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, Crockett & Jones, Allen Edmonds, Handmacher , Alden, auch noch Barker usw... Vor einigen Tagen war ich auf einer Schulung. Ca. 30 nicht schlecht verdienende Handwerksmeister. Der einzige, der richtige Schuhe trug, war ich. Gruß Change |
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#20
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Ich kann die Erfahrungen von "Leibhaftiger" nur bestätigen. Als Student habe ich ebenfalls zur Aushilfe in einem Herrenhaus in Düsseldorf gearbeitet (mittlerweile nicht mehr existent). Die meisten Männer sind wirklich beratungsresistent und betrachten den Anzug als notwendiges Übel, weil der Arbeitgeber es so will. Die dazugehörigen Frauen beraten nach Farben, Mode oder nach dem was sie in ihrem Partner sehen wollen. Schnittform, Passform, Qualität? Keine Ahnung!
Es fehlt dem deutschen Mann in seiner Mehrheit am Spaß sich gut zu kleiden. Wer Spaß daran hat, gilt in weiten Männerkreisen als schwul, weibisch oder elitär. So ist es nur folgerichtig, dass geschultes Personal für die "Happy Few" ist, die Masse braucht es eigentlich nicht mehr. Da reicht Ware einräumen, aufpassen dass nichts gestohlen wird und die Fähigkeit eine Größe unfallfrei herauszusuchen. In den Preisen ist der (immer früher einsetzende) Sale bereits einkalkuliert und so sind wir dann bei Bangladesch. Einer unserer Auftraggeber (Absolute Premiummarke) schreibt für offizielle Veranstaltungen jetzt als "Business" einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und eine silberne Krawatte vor. Der dienstlich gelieferte Anzug ist selbstredend aus Polyester, die dazugehörige Krawatte ebenfalls. Da stehen sie dann, die Premium-Pinguine: Falsche Größe, zu lange Hosen und Ärmel, Hemden mit Tasche und ungeputzte und/oder billigste Schuhe (natürlich schwarz, ist ja Business und "No brown in town"). Wer diesen Blödsinn erfunden hat, sind meist Leute aus dem Marketing (vielfach Frauen), bei denen sich Ahnungslosigkeit mit Entscheidungskompetenz paart. Eine flötete mir ganz entzückt zu: "Der Anzug ist sogar von Michalsky!" Was soll man dazu noch sagen?? |
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